Der CCC: Quasi-Zwang zur Luca-App  

 


Der Sprecher des Chaos Computer Club (CCC), Linus Neumann, kritisiert einen De-facto-Zwang zur Nutzung der Luca-App. Menschen würden die App installieren, weil es keine Alternative dazu gebe.

Die Luca-App wurde inzwischen rund 20 Mio. Mal heruntergeladen, wöchentlich kommen 1,5 Mio. neue Nutzer*innen sowie ca. 10.000 Check-in-Standorte hinzu. 318 der 400 deutschen Gesundheitsämter sind an die Server der App angebunden, 13 Bundesländer haben Lizenzen erworben. In immer mehr Gaststätten erfolgt die Kontaktdatenerfassung mit der Luca-App. Da das Ausfüllen von Zetteln oft länger dauert, entscheiden sich immer mehr Nutzer*innen für die App. Ikea schreibt sogar auf der eigenen Website, dass der Einsatz der Luca-App an manchen Standorten verpflichtend sei, und verschweigt dabei die Möglichkeit der Kontaktdatenerfassung mittels Formblättern.

Neumann sieht diese Entwicklung kritisch und führt den Erfolg auch auf einen Quasi-Zwang zur Nutzung der App zurück. Wenn eine privatwirtschaftliche App über 20 Mio. EUR staatlicher Alimentierung erhält, in Corona-Schutzverordnungen vorgeschrieben wird und so zum De-facto-Zwang wird, sei das ein sehr zweifelhaftes Konzept von Erfolg. Er könne nicht nachvollziehen, warum die Corona-Warn-App nicht ebenso berücksichtigt werde. Eine Check-in-Funktion ist darin ebenfalls seit April enthalten. Neumann ist der Meinung, die Regierung habe getrödelt und Luca zu früh das Feld überlassen. Die Luca-App ist in den letzten Wochen immer wieder wegen Pannen und Sicherheitslücken in Kritik geraten. Hacker zeigten etwa, dass man mit der App Schadcode in Gesundheitsämter einschleusen konnte.

Patrick Henning, CEO der Betreiber-Firma hinter Luca, weist die Kritik zurück. Einen Zwang zur Nutzung von Luca sieht er nicht und verweist auf die Möglichkeit zum Check-in per Kontaktformular. Er kenne keinen Fall, in dem jemand wegen fehlender Luca-App wieder gehen habe müssen. Hinsichtlich technischer Schwierigkeiten und der Krisenkommunikation gibt Hennig zu, dass man sicher nicht alles richtig gemacht habe, die Daten seien aber sehr sicher und wären noch nie annähernd gefährdet gewesen. Die Corona-Warn-App hält er zwar für eine sinnvolle Ergänzung, aber für keine Alternative zur Luca-App, da die Corona-Warn-App keine Daten an die Gesundheitsämter übermittelt.

ZD-Aktuell 2021, 05295